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donum vitae Stuttgart
Beratung trotz Rückzug der Kirche
Stuttgarter Zeitung,18.02.2010

von Nicole Höfle

In der nächsten Woche feiert Donum Vitae in Stuttgart sein zehnjähriges Bestehen. Ein offizieller Vertreter der Diözese Rottenburg-Stuttgart wird nicht dabei sein, auch wenn sich das Verhältnis zwischen der Amtskirche und dem von katholischen Laien gegründeten Verband entspannt hat. "Wir sind um ein gutes Verhältnis mit der katholischen Kirche bemüht", versichert denn auch Antje Schmidtke, die Landesgeschäftsführerin von Donum Vitae. "Die Beratung ist vom christlichen Glaubensverständnis geprägt." Antje Schmidtke von Donum Vitae Auf der anderen Seite zollt Thomas Broch, der Sprecher der Diözese, den Verantwortlichen des Verbandes seinen Respekt dafür, dass sie sich trotz aller Widerstände bis heute dafür einsetzen, schwangere Frauen nach christlichen Grundsätzen zu beraten. Er vergisst aber auch nicht zu sagen: "Der Verband bewegt sich mit dem, was er tut, offiziell außerhalb der katholischen Kirche, da er sich den Anweisungen der deutschen Bischöfe widersetzt."

Was hier nachwirkt, ist ein päpstliches Machtwort: Im Sommer 1999 bekamen die deutschen Bischöfe aus Rom die Anweisung, aus der Schwangerenkonfliktberatung auszusteigen, was im Januar 2001 auch geschah. Viele katholische Laien nahmen damals den Beschluss nicht hin, sondern gründeten den Verband Donum Vitae, der die Lücke schließen sollte, den die päpstliche Anweisung schuf. In Baden-Württemberg entstand der Landesverband im Februar 2000, die erste Beratungsstelle im Land öffnete im Dezember in der Stuttgarter Marienstraße. Beratung wird dringend gebraucht "Bis heute bekommen wir viele Spenden von Katholiken", sagt Antje Schmidtke. Bereits im ersten Jahr holten sich 385 Frauen Hilfe bei Donum Vitae. Inzwischen ist die Beratungsstelle in die Friedrichstraße umgezogen, auch der Andrang ist gewachsen. Im vergangenen Jahr haben die drei Stuttgarter Mitarbeiterinnen in 848 Gesprächen insgesamt 462 Frauen beraten. "Für die Frauen ist wichtig, dass sie schnell einen Termin bekommen", sagt Schmidtke.

Hilfe gesucht haben nicht nur Frauen mit katholischen Wurzeln: "Wir schätzen, dass die Hälfte der Frauen katholisch oder evangelisch sind", sagt Schmidtke. Aber klar sei, dass alle zu Donum Vitae kommen könnten, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit. Die Beratung, die die Frauen bekommen, ist vom christlichen Glaubensverständnis geprägt, aber ergebnisoffen, wie Schmidtke versichert. Sprich: wenn die Schwangeren wollen, bekommen sie am Ende der Beratung den Schein, der ihnen eine Abtreibung ermöglicht.

Bei den vier anderen Schwangerenberatungsstellen in Stuttgart sehen die Verantwortlichen donum vitae als Bereicherung an. Gertrud Höld von der Evangelischen Gesellschaft beispielsweise stellt fest, dass das Beratungsangebot für die Frauen "vielfältiger" geworden sei und auch Sybille Tropper von Pro Familia bewertet die Zusammenarbeit als positiv. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge dagegen blickt man beim Sozialverband katholischer Frauen (SkF) auf das Jubiläum von donum vitae. Die Wirtschaftskrise ist angekommen Der SkF hatte sich vor zehn Jahren auf die bischöfliche Anweisung hin von der Schwangeren-konfliktberatung verabschieden müssen. "Der Ausstieg ist uns nicht leicht gefallen, deshalb haben wir uns auch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt", erinnert sich Christa Reuschle-Grundmann. Der SkF hat damals nicht nur Mitarbeiterinnen an donum vitae verloren, sondern musste auch sein Konzept ändern. Seither konzentriert sich der von der katholischen Kirche getragene Verband auf Hilfen für Frauen, die ihr Kind bekommen, allerdings mit der finanziellen und psychischen Belastung nicht zurechtkommen. Bemerkenswert ist für Reuschle-Grundmann, dass jedes Jahr auch einige Frauen kommen, die bereits einen Schein haben, aber trotzdem noch eine Beratung bei dem katholischen Träger wollen.

Erschreckend ist für die Abteilungsleiterin, dass die finanziellen Nöte der Familien durch die Wirtschaftskrise immer größer werden. "Wir haben so viele Anträge bei kirchlichen und anderen Stiftungen gestellt wie noch nie." Diese Entwicklung beobachtet auch Antje Schmidtke bei Donum Vitae. "Die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt ist bei uns angekommen."